Synaesthesia Flash Header
 

Geschichte der Synästhesieforschung

Der erste wissenschaftliche Bericht stammt von George Sachs aus dem Jahre 1812. In seiner Dissertation beschreibt er seine eigene Synästhesie[1]. In dieser Zeit wurde diesem Phänomen noch kein großes Interesse zuteil[2]. Erst als Sir Francis Galton, der Cousin von Charles Darwin, im Jahre 1880 von Menschen berichtete, die verschiedene Sinne verknüpft wahrnehmen[3], stieg die Aufmerksamkeit. Danach folgten mehrere Publikationen. Die US-Wissenschaftlerin Mary Calkins führte gegen Ende des 19. Jahrhundert das Wort „Synaesthesia" ein[4]. Um 1930 wurde der Behaviorismus in der psychologischen Forschung wichtiger: Lernen und Verhalten wurden nur auf externe Einflüsse reduziert. In dieser Zeit wurden viele Konditionierungsexperimente[i] betätigt. Man nahm an, dass innere Gefühle und Gedanken sich nicht messen lassen. Synästhesie passte deswegen gar nicht in die Forschungsansätze der damaligen Zeit, und geriet für mehrere Jahrzehnte in die Vergessenheit. Durch das Fehlen von Informationen wurden Synästhetiker lange als „krank"[2], „Menschen mit großer Fantasie" oder auch „Acid-Junkies" oder „Pot-Heads" angeschaut[5].
Richard E. Cytowic war einer der Ersten, der sich gegen Ende des letzten Jahrtausends mit Synästhesie auseinander zu setzen begann. Es folgten andere Wissenschaftler, und Synästhesie gewann mehr und mehr an Bedeutung und Interesse.
In diesem Jahrtausend hat ein richtiger Boom eingesetzt. Während man am Anfang Informationen über Synästhesie meist durch Interviews mit ein paar Synästhetikern gewann, wird heute empirisch geforscht: das heißt, Schlüsse werden nicht mehr aufgrund einzelner Aussagen, sondern mittels Experimenten zwischen Synästhetikern und Nicht-Synästhetikern sowie statistischer Analyse gewonnen.

 

[i] Konditionierung: Erlernen von Reiz-Reaktionsmuster. Beispiel: Immer, wenn es was zu essen gibt, läutet eine Glocke. Mit der Zeit indiziert der Glockenklang, dass es Essen gibt.


---
Referenzen

1. Kron WO: Pseudo-chromaesthesia, or the association of color with words, letters, and sounds. In., vol. 5: American Journal of Psychology; 1892: 20 - 41.
2. Hochel M, Milan EG: Synaesthesia: The existing state of affairs. Cognitive Neuropsychology 2008, 25(1):93-117.
3. Galton F: Colour associations. In: Synesthesia: Classic and contemporary readings. Oxford: Blackwell; 1997: 43-48.
4. Ward J: The Frog who Croaked Blue: Synesthesia and the Mixing of the Senses: Routledge; 2008.
5. Ramachandran V, Hubbard EM: Synaesthesia - A window into perception, thought and language. Journal of Consciousness Studies 2001, 8(12):3-34.