Die mögliche Rolle der Schule
Nicht jeder Snyästhetiker ist sich seiner Synästhesie bewusst. Crétien van Campen machte die Aussage, dass jeder Synästhetiker „alles selber herausfinden muss", da unter anderem, „kein pädagogisches Programm verfügbar ist", das helfen könne[1]. Noch ist keines verfügbar! Nach den Schätzungen über die Häufigkeit der Synästhesie[2], dürften in jeder Grundschulklasse bis zu 4 Synästhetiker sitzen. Das Schulsystem sollte die Synästhetiker und deren sensorischen Fähigkeiten nicht weiter ignorieren. Weiters sollte die Schule Unterstützung bereit stellen, damit diese Schüler ein höheres synästhetisches Bewusstsein erreichen.
In diesem Abschnitt möchte ich eine mögliche Hilfestellung für synästhetische Kinder in der Schule vorstellen. Ich nenne dies Synästhesie-Mediation und sie kann in Schulklassen angewendet werden.
Das erste Element ist der Synästhesie-Test. Solche Konsistenztests sind der „Gold-Standart" [3]. Synästhetiker wählen immer die gleichen Farben für Buchstaben und Zahlen während Nicht-Synästhetiker diese zufällig auswählen. Man kann einen solchen Test entweder schriftlich oder am Computer machen. Die geschriebene Version sollte aber von einem computerbasierten Test begleitet werden um mögliche Synästhetiker zu verifizieren[4, 5]. In diesem Schritt sind die Kinder zum ersten Mal damit konfrontiert, über die synästhetische Wahrnehmung nachzudenken.
Der zweite Teil ist die Information: das kann eine Schulstunde oder ein einfacher Vortrag in der Klasse über das Thema sein. Es ist ziemlich wichtig, dass die Menschen wissen, dass Synästhesie existiert und dass diese über den aktuellen Stand der Wissenschaft informiert sind. Es scheint für informierte Menschen einfacher zu sein, Freunde und Verwandte über Synästhesie aufzuklären.
Der dritte Part besteht aus den Workshops welche mit synästhetischen Kindern durchgeführt werden können. Sie sollen den Synästhetikern zeigen, wie man Synästhesie bewusst wahrnehmen und verbalisieren kann. Mit ein paar einfachen Übungen ist es möglich, eine Einführung in die verschiedenen Synästhesietypen zu geben. Zum Beispiel das Vorspielen von verschiedenen Klängen und deren Farben. Die Workshops stellen die Möglichkeit bereit, tiefer in die synästhetische Wahrnehmung zu gehen.
Die Aneignung von synästhetischen Mnemoniktechniken ist ein anderer interessanter Punkt. Ein Synästhesie-Mediator könnte den Synästhetikern beibringen, wie man die synästhetische Wahrnehmung förderlich für das Lernen einsetzen kann. Der Inhalt einer solchen Stunde könnte sein: wie kann man die Farben der Worte nutzen, um Vokabeln zu lernen, wie kann man mit den Charakteren umgehen, wenn man rechnen soll oder wie kann man die visuellen synästhetischen Bilder dazu anwenden um Biologie oder Geschichte zu lernen.
Weiterführend scheint es wichtig zu sein, dass die Eltern über die Besonderheit ihrer Kinder informiert werden. Die sozialen Interaktionen zu Hause mit den Familienmitgliedern können das synästhetische Bewusstsein erhöhen.
Es ist logisch, dass solch ein synästhetisches Lernprogramm nicht von einem Tag auf den anderen realisiert werden kann. Nicht jede Lehrperson ist auch Synästhetiker und Synästhesie ist noch nicht in die Lehrerausbildung miteinbezogen.
Was sollten Lehrer wissen und was müssen sie beachten? Wenigstens sollten sie wissen, dass Synästhesie existiert. Des Weiteren sollten sie verstehen, dass einige Lernmethoden, wie farbige Buchstaben oder Nummern, einen nachteiligen Effekt auf eine Minderheit in der Klasse haben können.
Es wäre besser, wenn man die Synästhetiker ermuntern würde, ihre eigenen Farben nutzen. Lehrer können auch motivieren, Synästhesie allgemein wahrzunehmen.
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Referenzen:
1. Campen Cv: The Hidden Sense: On Becoming Aware of Synesthesia. In: Revista Digital de Tecnologias Cognitivas. vol. 1; 2009.
2. Simner J, Mulvenna C, Sagiv N, Tsakanikos E, Witherby SA, Fraser C, Scott K, Ward J: Synaesthesia: The prevalence of atypical cross-modal experiences. Perception 2006, 35(8):1024-1033.
3. Asher JE, Aitken MRF, Farooqi N, Kurmani S, Baron-Cohen S: Diagnosing and phenotyping visual synaesthesia: A preliminary evaluation of the revised Test of Genuineness (TOG-R). Cortex 2006, 42(2):137-146.
4. Mächler MJ: Synaesthesia-Test. In.; under construction.
5. Eagleman DM, Kagan AD, Nelson SS, Sagaram D, Sarma AK: A standardized test battery for the study of synesthesia. Journal of Neuroscience Methods 2007, 159(1):139-145.