Synaesthesia Flash Header
 

 

Synästhesie und psychoaktive Drogen

Es wird immer wieder berichtet, dass die Einnahme von psychoaktiven Substanzen wie LSD oder Zauberpilzen bei den Konsumenten synästhesieähnliche Zustände hervorrufen kann. Man spricht in diesem Fall aber nicht von einer echten (genuinen) Synästhesie, wie sie auf dieser Homepage behandelt wird, sondern um eine drogen-induzierte Pseudo-Synästhesie. Man wird also nicht zum „richtigen" Synästhetiker, wenn man Drogen nimmt.
Hierbei möchte ich anfügen, dass das Wort Droge definiert ist als: Stoff, welcher die Funktionsweise und den Mechanismus ändert. Sorry an alle, aber auch Alkohol, Kaffe und Aspirin sind Drogen.

Was bewirken Drogen im Hirn?

Damit eine Substanz einen psychoaktiven Effekt hat, braucht sie im Hirn eine Andockstelle, namentlich einen Rezeptor. Man kann sich das so vorstellen: Die Substanz ist der Schlüssel, der Rezeptor das Schloss. Unsere Hirnzellen haben eine riesige Anzahl von Rezeptoren, welche im Wechselspiel mit Neurotransmittern die Funktionen des Hirnes leiten. Drogen haben also immer eine strukturelle Ähnlichkeit mit einem hirneigenen Stoff.
Einige Paare:

Droge Neurotransmitter
Alkohol GABA (ein Stoff, der unterdrückende Wirkung im Hirn hat)
Koffein Blockiert Adenosin-Rezeptoren.
Cannabis Cannabinoide (regulieren Funktionen, wie z.B. Abbau von Angst)
Psylocin, LSD, Ahayuasca Serotonin (vielfältige Funktionen, unter anderem Glückshormon)

image

Bei diesem Bild sieht man schön, wie ähnlich Serotonin und Psilocyn sind. Wäre dies nicht der Fall, könnte die Substanz gar nicht im Hirn mit Rezeptoren agieren, und hätte so gesehen gar keine Wirkung.
Drogen wirken entweder verstärkend oder hemmend. So werden z.B. bei LSD Hirnareale, die für Emotionen und Farben zuständig sind, stimuliert. Während Alkohol eher hemmende Effekte aufzeigt.

Eidetische Ebene

Wenn sie die Augen schließen und sachte mit dem Finger auf ihr Auge drücken, dann sollte vor ihnen eine Wand voller bunter Muster entstehen. Nachbilder von Lichtquellen hinterlassen ebenfalls bunte Formen.


Diese Farben werden auf der eidetischen[1] Ebene gesehen. Ebenfalls treten klare Bilder in dieser Ebene auf, wenn man kurz von dem Einschlafen ist.
Diese Ebene ist von der synästhetischen zu unterscheiden, welche eher mit dem geistigen Auge und trübe und unklar wahrgenommen wird. Die eidetische Ebene dagegen produziert klare und scharfe Bilder.
LSD, Psilocybin und Meskalin haben eine sehr stark stimulierende Wirkung auf das Farbzentrum im Gehirn. Im Dunklen oder mit geschlossenen Augen erlebt der Konsument Farbwahrnehmungen, die sich als einfache Muster, konkrete Bilder, oder sogar belebte ‚Filmsequenzen' in der eidetischen Ebene auslösen. Auf dieser Ebene erleben diese Personen dann auch Farben, die durch Musik ausgelöst werden.

Die drogeninduzierte Pseudo-Synästhesie wird also auf einer anderen Ebene wahrgenommen, als die echte Synästhesie.


Was erlebt ein Synästhetiker unter Drogen?

Diese Frage mag man sich stellen. Verstärken psychoaktive Chemikalien wie LSD die Synästhesie, oder schwächen sie sie ab? Einfach lässt sich diese Frage sicherlich nicht beantworten. Wenn man bedenkt, dass es sehr viele unterschiedliche Synästhesien gibt, kann man auch davon ausgehen, dass jede Synästhesie wieder anders reagiert.
So wurde von einem Synästhetiker erwähnt, dass er während eines LSD-Trips die Farben der Musik weniger intensiv wahrgenommen hat. Dafür sei der Geschmack von Bildern umso heftiger gewesen. Ebenfalls wurde von einem Synästhetiker berichtet, der beschrieb, dass musikhörend unter Meskalin eine Vermischung der beiden Ebenen stattfand. Fasziniert berichtete diese Person, dass er seine sonst eher unscharfen Synästhesiebilder plötzlich knallbunt und ganz klar mit geschlossenen Augen sah.

Einzelne Erlebnisberichte mögen zwar eine Vorstellung verschaffen, aber für eine Verallgemeinerung, welche Droge auf welche Synästhesie welchen Einfluss hat, braucht es zuverlässige wissenschaftliche Untersuchungen.

Zur Kenntnisnahme: wir wollen niemandem dazu ermutigen, Drogen zu nehmen. Es erscheint aber wichtig, darüber zu diskutieren.

 

 

 

---
1. griech. Eidos = Bild, Wesen, Gestalt, Idee.